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Umweltrisiko: Was ist das – und warum sollte es Unternehmen interessieren?

Teil eins einer vierteiligen Artikelreihe von Svarmi über die Risiken und Chancen, die sich für Unternehmen weltweit aus ihren Wechselwirkungen mit der Natur ergeben.

‍Umweltrisiko: Was ist das – und warum sollte es Unternehmen interessieren?

Die Welt ist unberechenbar – das hat sich nie deutlicher gezeigt als in den vergangenen Jahren. Die Zerstörung der Umwelt gefährdet nicht nur die Lebensgrundlagen einzelner Menschen, sondern hat auch die Unternehmenslandschaft grundlegend verändert. Der Global Risks Report 2022 des Weltwirtschaftsforums benennt die schwerwiegendsten globalen Risiken der nächsten zehn Jahre. Die ersten drei Plätze belegen das Scheitern von Klimaschutzmaßnahmen, Extremwetterereignisse und der Verlust der Biodiversität.

Erkennen Sie ein Muster?

Umweltrisiken werden häufig auf Makroebene betrachtet, doch Herausforderungen bestehen auch auf der Ebene einzelner Unternehmen und Anlagen. Wir erleben eine beispiellose Zeit, in der das Umweltbewusstsein von Unternehmen auf allen Organisationsebenen so kritisch hinterfragt und geprüft wird wie nie zuvor. Ob Risiken für Anlagen, Unterbrechungen der Lieferkette oder Richtlinien zur unternehmerischen Sozialverantwortung: Unternehmen sehen sich mit wachsenden Erwartungen von Verbrauchern, Geschäftskunden und Regierungen an ihre ökologische Nachhaltigkeit und Krisenvorsorge konfrontiert.

Unternehmerische Sozialverantwortung – auch bekannt als ESG (Environmental, Social and Governance) – mag an Umfang und Bedeutung gewinnen, wird aber oft noch als „weichere“ Priorität behandelt. Das Problem hat zwei Seiten: Manche Organisationen glauben, ihre Arbeit entspreche bereits den ESG-Werten – das führt zu mangelnder Selbstreflexion und Untätigkeit. Noch gravierender ist jedoch, dass Umweltrisiken unzureichend definiert sind: Ohne klaren Umfang und Rahmen zögern Unternehmen oft zu handeln, selbst wenn der Wille vorhanden ist.

Was ist also ein Umweltrisiko? Und wie lässt es sich so definieren und messen, dass Unternehmen zum Handeln ermutigt werden?

‍Umweltrisiken sind wesentliche Risiken

Umweltrisiken (darunter Klimarisiken und naturbezogene Risiken) sind wesentliche Risiken. Ihre Auswirkungen unterscheiden sich je nach Branche, Standort und weiteren internen und externen Faktoren, die allesamt die Widerstandsfähigkeit einer Organisation beeinflussen. Das Spektrum der Umweltrisiken ist breit. Die meisten ESG-Strategien von Unternehmen konzentrieren sich zwar auf die Reduzierung der CO2-Emissionen (unter anderem durch Speicherung und Abscheidung), doch auch andere wichtige Faktoren bestimmen das gesamte Umweltrisiko. Laut Weltwirtschaftsforum führt das Scheitern von Klimaschutzmaßnahmen diese Liste an, gefolgt von Extremwetterereignissen und – auf Platz drei – dem Verlust der Biodiversität.

Scheitern von Klimaschutzmaßnahmen

In den letzten Jahren haben steigende globale Temperaturen zu mehr Naturkatastrophen, gesundheitlichen Schäden, Beeinträchtigungen von Ökosystemen, Geschäftsverlusten und Gefahren für den Betrieb von Unternehmensanlagen und Infrastruktur geführt. Viele Unternehmen weltweit unterliegen bereits verschiedenen Vorschriften zur Bekämpfung des Klimawandels: CO2-Steuern, Emissionshandelssysteme und weitere Abgaben auf fossile Brennstoffe veranlassen Organisationen, ihren CO2-Fußabdruck im Blick zu behalten. Diese Regelungen unterscheiden sich jedoch stark zwischen Branchen, Ländern und Kontinenten. Für Investoren wie für die breite Öffentlichkeit ist es daher schwierig, kritisch zu beurteilen, wie gut Organisationen ihre Ziele zur Klimaresilienz erreichen.

Extremwetterereignisse als Risiko

Extremwetterereignisse hängen eng mit dem Klimawandel zusammen und treten immer häufiger auf. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums beliefen sich die wetterbedingten Verluste von Unternehmen zwischen 2011 und 2020 weltweit auf rund 2,5 Billionen US-Dollar – ein Anstieg um 50 % gegenüber dem Zeitraum 2001–2010. Unternehmen, die unzureichend auf Extremwetterrisiken vorbereitet sind, laufen eher Gefahr, Anlagen durch Waldbrände, Überflutungen oder Infrastrukturschäden infolge von Wirbelstürmen und Hitzewellen zu verlieren – um nur einige Beispiele zu nennen.

Verlust der Biodiversität

Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums ist mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung (44 Billionen US-Dollar) in mäßigem oder hohem Maße von der Natur abhängig – und der fortschreitende Verlust der Biodiversität gefährdet diesen Wert erheblich. Der Biodiversitätsverlust stellt ein erhebliches Risiko für die Stabilität von Unternehmen und Gesellschaft dar: Übermäßige Landnutzung, Raubbau an natürlichen Ressourcen und die Ausbreitung invasiver Arten führen weltweit zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt. Mit dem Niedergang der Ökosysteme sind Organisationen einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt – von höheren Rohstoffkosten bis hin zu Gegenwind von Verbrauchern, Investoren und Behörden.

Warum also sind diese Themen für Unternehmen wirklich relevant?

Rein moralisch betrachtet liegt es an uns allen – von Einzelpersonen über Unternehmen bis hin zu Regierungen –, den Klimawandel mit dem gebotenen Ernst zu behandeln und alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Umweltzerstörung für künftige Generationen einzudämmen. Für Organisationen gibt es jedoch einen zusätzlichen, ganz praktischen Anreiz, ihre Richtlinien zur unternehmerischen Sozialverantwortung neu zu denken: Umweltrisiken sind wesentliche Risiken. Organisationen sollten ESG-Richtlinien aus demselben Grund ernst nehmen, aus dem sie auf klassische Leistungskennzahlen wie finanzielle und operative Ziele achten. Unternehmen, die die negativen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt ignorieren, setzen sich vielfältigen Risiken aus – von Problemen in der Lieferkette über steigende Rohstoffkosten bis hin zu Verbraucherboykotten.

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