Der DIGITALE Weg zur Naturpositivität
Der letzte Beitrag einer vierteiligen Artikelserie von Svarmi über die Risiken und Chancen, die sich für Unternehmen weltweit aus ihren Wechselwirkungen mit der Natur ergeben.

Wissen ist Macht
Wir leben in einer beispiellosen Zeit, in der uns eine Fülle von Informationen jederzeit zur Verfügung steht. Informationen, deren Recherche früher Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre dauerte, lassen sich heute mit modernen Suchmaschinen in Sekunden oder Millisekunden finden. Seit Jahren sehnen Menschen den Tag herbei, an dem sich nahezu in Echtzeit erfassen lässt, was auf unserem Planeten tatsächlich geschieht – und viele glauben, dass dieser Tag nicht mehr fern ist: Unser Heimatplanet wird so leicht durchsuchbar wie einst das Internet.

Die breite Verfügbarkeit von Erdbeobachtungsdaten aus der Fernerkundung – von Satellitenbildern, Drohnen, Flugzeugen und Bodensensoren – ermöglicht es uns, genaue und detaillierte Informationen über unsere Umwelt zu erfassen. Die Vielzahl an Wegen zum Wissen bringt jedoch eine Herausforderung mit sich. Das Unternehmensrisiko sinkt mit zunehmendem Wissen – doch um das richtige Wissen zu gewinnen, braucht es die richtigen Daten.
Nicht alle Daten sind gleichwertig
Was man nicht misst, kann man nicht steuern. Angesichts stetig wachsender Selbstverpflichtungen zu einer nachhaltigeren, klimaneutralen und naturpositiven Zukunft werden Messungen entscheidend sein.
Es gibt unzählige Möglichkeiten, Daten zu erheben – und noch mehr, sie zu verarbeiten, zu analysieren, zu visualisieren und in einen Kontext zu setzen. Das wirft ein Problem auf: Wenn nicht alle Daten gleichwertig sind, sind auch die daraus abgeleiteten Entscheidungsgrundlagen nicht gleichwertig. Ein besonderes Problem, mit dem viele Unternehmen zu kämpfen haben, ist die eigene Erhebung und Meldung von Informationen. Solche Daten weisen leider oft zahlreiche Lücken und Ungenauigkeiten auf, da sowohl die Erhebung als auch die Verarbeitung stark auf manueller Eingabe beruhen und daher anfällig für menschliche Fehler oder Verzerrungen sind.
Die Datenerfassung rund um die Wechselwirkungen mit der Natur effizienter zu gestalten, ist dringlicher denn je: Auf lokaler und globaler Ebene werden laufend neue Gesetze, Best Practices und Rahmenwerke eingeführt, die Unternehmen dazu anhalten oder verpflichten, transparenter darzulegen, wo und wie sie sich auf die Natur auswirken, und klare Verbesserungsstrategien aufzuzeigen. Die Anforderungen werden immer strenger, und die Berichterstattung kann nicht mehr einfach auf Schätzungen oder Interpolationen beruhen.
Aus Provisorien werden oft Dauerprobleme
Unternehmen weltweit haben sich auf den Weg gemacht, den Wert und die Kosten der Natur präziser in ihre Geschäftsentscheidungen einzubeziehen und Umfang und Intensität der damit verbundenen Risiken und Chancen besser zu verstehen. In den frühen Phasen dieses Weges sollte man bedenken, dass Übergangslösungen zu Dauerproblemen werden können. Eine naturpositive Strategie auf analoger Datenerfassung aufzubauen, kann zu Problemen führen, denn Informationen auf Standort- und Anlagenebene müssen in großem Umfang auf Unternehmensebene zusammengeführt und berichtet werden. Unternehmen müssen eine geeignete digitale Infrastruktur aufbauen und einführen, um die sich rasant entwickelnde Technologie nutzen zu können. So wird es wesentlich einfacher, Kennzahlen und Erkenntnisse für den gesamten Betrieb zu gewinnen – nachvollziehbar bis hin zu jeder einzelnen Anlage und jedem Einflussbereich.
Data-as-a-Service
Fernerkundungsdaten waren noch nie so gut verfügbar und zugänglich wie heute – und es wird stetig besser. Satelliten kartieren die Erde täglich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sensoren und liefern damit Bausteine für zahlreiche Anwendungsfälle, darunter die Messung von Natur und Biodiversität.
Sensoren an Flugzeugen, Drohnen und am Boden werden rasant besser und erschwinglicher, und die Trägerplattformen – insbesondere Satelliten, Drohnen und bodengestützte Plattformen – werden von Organisationen immer häufiger eingesetzt. Sie unterstützen zahlreiche branchenübergreifende Anwendungsfälle, von der Anlageninspektion über Stadtplanung, Pflanzenbaumanagement und Marktinformationen zu verschiedenen Rohstoffen bis hin zu parametrischen Versicherungen und vielem mehr.
Was bedeutet das nun für die naturpositive Agenda?
Die Erdbeobachtung bietet einzigartige Möglichkeiten, digitale naturpositive Strategien zu unterstützen, indem sie Naturgüter wie Wälder, Vegetation, Lebensräume von Tieren, Wasser und Boden weitgehend automatisiert misst. Wenn Unternehmen sehr zeitaufwendige manuelle Arbeit durch Erdbeobachtung ersetzen, können sie den Aufwand für die derzeit vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie für künftige Anforderungen und Rahmenwerke zur laufenden Bewertung von Risiken und Chancen und zur naturbezogenen Finanzberichterstattung deutlich verringern.
Der digitale Weg zur Naturpositivität – was bringt die Zukunft?
In den vergangenen Jahren wurde viel in den Aufbau der technischen Infrastruktur investiert, die Erdbeobachtungsdaten breit verfügbar und zugänglich macht. Parallel dazu haben sich Analysefähigkeiten und Rechenleistung erheblich verbessert. Für viele Anwendungsfälle bleibt vor allem eine Aufgabe: die Technologie so benutzerfreundlich zu machen, dass sie sich für tägliche Entscheidungen nutzen lässt, ohne dass man Experte für die eingesetzte Technologie sein muss.
Mit zunehmend spezialisierten Anwendungen für unterschiedliche Anwendungsfälle und konkrete Problemstellungen dürfte sich nicht nur die Benutzerfreundlichkeit verbessern – auch die Datenquellen werden zunehmend abstrahiert. Endnutzer müssen dann nicht mehr entscheiden, ob sie Daten von einem Satelliten, einem Flugzeug, einer Drohne, einem Bodensensor oder aus Bodenbeobachtungen wollen oder benötigen. Stattdessen wählen die Anwendungen je nach gewünschtem Ergebnis die passenden Datenquellen aus – ein Nutzungserlebnis, das sich zunehmend dem heutiger Suchmaschinen annähert.
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