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Marktentwicklung und Regulierung

Der Weg zu Nature Positive – Anpassung an eine Welt im ständigen Wandel

Teil drei unserer vierteiligen Artikelreihe über die Risiken und Chancen, die sich für Unternehmen weltweit aus ihrem Umgang mit der Natur ergeben.

‍Naturpositivität: Ein Paradigmenwechsel

In den vorherigen Artikeln unserer Reihe ging es darum, wie Unternehmen Umweltrisiken mindern können, um ihren Geschäftsbetrieb dauerhaft erfolgreich und regelkonform zu gestalten. Tatsächlich prägt die Risikominderung seit Jahrzehnten die Werte der unternehmerischen Sozialverantwortung (CSR). Das Paradigma „keinen Schaden anrichten“ verschiebt sich jedoch allmählich, denn seit 2022 bestimmt eine neue Frage die ESG-Werte (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung): Was wäre, wenn Unternehmen nicht nur Schäden begrenzen, sondern im Einklang mit der Natur wirtschaften – und sie vielleicht sogar schützen und aufwerten könnten?

Mit anderen Worten: Was wäre, wenn Unternehmen naturpositiv wären?

Naturpositivität steht für einen grundlegenden Wandel im Verhältnis von Unternehmen zur Natur. In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt lokaler und nationaler Gesetzgebung vor allem darauf, die Auswirkungen von Unternehmen auf die Natur zu verringern. Dieser Ansatz wird zwar weiterhin aktiv gefördert, doch die Idee der Naturpositivität geht einen Schritt weiter und stellt eine einfache Frage: Was wäre, wenn Unternehmen über reine Schadensbegrenzung hinausgingen? Was wäre, wenn sie ihre Umweltauswirkungen nicht nur minimierten, sondern die Ökosysteme, in denen sie tätig sind, aktiv schützten und aufwerteten? In den Worten von The Biodiversity Consultancy erschließt Naturpositivität „das Potenzial von Unternehmen, zu den globalen Zielen beizutragen, die Natur wiederherzustellen, unser Klima zu stabilisieren und eine sichere und wohlhabende Zukunft für alle zu schaffen“.

Die Bausteine von Nature Positive

Für den Übergang zu einem naturpositiven Unternehmen braucht es eine klare Strategie, die konsequent umgesetzt wird. Orientierung bieten Initiativen wie die Taskforce on Nature Related Financial Disclosures oder bestehende Rahmenwerke wie das Natural Capital Protocol und die SBTN Initial Guidance for Business, die die folgenden sechs Schritte für Organisationen beschreiben:

  1. Bewerten und priorisieren: Unternehmen sollten ermitteln, welche Aspekte der Natur (Biodiversität, Süßwasser, Land, Ozeane usw.) für ihre Geschäftstätigkeit und Lieferkette relevant sind, und daraus eine Übersicht über Auswirkungen, Abhängigkeiten und Chancen für die Regeneration der Natur erstellen.
  2. Verpflichten: Unternehmen sollten sich zu ehrgeizigen, zeitgebundenen und wissenschaftlich fundierten Zielen verpflichten, um den Verlust der Natur aufzuhalten und vor allem umzukehren.
  3. Messen und bewerten: Unternehmen müssen einen Weg finden, naturbezogene Ergebnisse anhand genauer und überprüfbarer Daten präzise zu messen.
  4. Handeln: Unternehmen müssen Strategien für Naturpositivität systematisch entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette umsetzen.
  5. Transformieren: Unternehmen müssen in allen Bereichen, die sie steuern oder beeinflussen – einschließlich Politik, Finanzierung und Kapazitätsaufbau –, auf naturpositive Ergebnisse hinarbeiten.
  6. Offenlegen und berichten: Unternehmen müssen anhand der in Schritt 3 erhobenen überprüfbaren Daten genau über ihre naturpositiven Leistungen berichten.

Auch wenn die Schritte zur Naturpositivität umfassend erscheinen, ist dieser Weg für Unternehmen in der Praxis nicht immer einfach. So hat der aktuelle Bericht „Are you ready for nature related disclosure?“ gezeigt, dass zwar einige große Unternehmen erste naturbezogene Bewertungen und Monitorings erproben, viele aber schlicht an Wissenslücken scheitern. Besonders schwer tun sich Unternehmen mit Schritt 3 des Rahmenwerks: Vielen fehlt eine zuverlässige Methode, um ihre Nutzung natürlicher Ressourcen mit Daten zu erfassen und zu quantifizieren, die belastbar genug sind, um die in Schritt 6 beschriebenen Berichtspflichten zu erfüllen.

Naturpositivität: Eine Chance für Unternehmen?

Viele Unternehmen äußern Zweifel und sogar Frustration darüber, dass sich die globale Umweltagenda rasant verändert – insbesondere mit Blick auf die Compliance-Berichterstattung. Dieses Risiko sollte nicht unterschätzt werden: Selbst das Weltwirtschaftsforum bezeichnet Naturpositivität als „disruptive Idee“. Dennoch dürften die Chancen eines gut gesteuerten Übergangs die eines „naturneutralen“ Status quo bei Weitem überwiegen. Nach Schätzungen des Weltwirtschaftsforums könnten Unternehmen weltweit durch einen systemischen Wandel hin zur Naturpositivität bis 2030 einen Geschäftswert von bis zu 10,1 Billionen US-Dollar generieren und zusätzlich 395 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Das zeigt, dass ein naturpositiver Ansatz nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringt. 

Zudem hat die öffentliche Unterstützung für einen naturpositiven Ansatz in den letzten Jahren stark zugenommen: Das Nature-Positive-Paradigma wird von 126 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern, mehr als 700 großen internationalen Unternehmen sowie zahlreichen religiösen Führungspersönlichkeiten und Jugendvertretern unterstützt. Wer auf Naturpositivität setzt, kann sich als gesellschaftlicher Vorreiter positionieren und zugleich die finanziellen und geschäftlichen Chancen dieses neuen Standards nutzen.

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